Gemeinsam Lesen, 23.5.17

Gemeinsam Lesen ist eine von Asaviel ins Leben gerufene Aktion,
die nun von den Schlunzen fortgeführt wird.
Hallo ihr Lieben

Unglaublich, wie die Zeit rennt. Heute in eine Woche sind ein riesiges Konzertprojekt und meine Zwischenprüfung (am Montag, 11.00 Uhr) hoffentlich glatt über die Bühne gegangen, haha, Wortspiel. Drückt mir auf jeden Fall die Daumen. Bis dahin gibt es aber noch viele Proben, letzte Organisationen und auch einzelne private Projekte, die betreut werden wollen. Gerade jetzt, lasse ich es mir aber nicht nehmen, mich mit euch auszutauschen. Viel Spass beim Stöbern :-)

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese gerade "Tiepolo und die Unsichtbare Stadt" von Emili Rosales und bin aktuell auf Seite 91.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Ich sitze schon seit Stunden über Andrea Rosellis Memoiren, als es an die Tür klopft.
 
Tiepolo und die Unsichtbare Stadt - Emili Rolales

Klappentext:
Es ist das Jahr 1759, als der spanische König Karl III. beschließt, seinen größten Traum zu verwirklichen: den Bau einer prächtigen neuen Stadt im Ebrodelta. Doch dem jungen Architekten Andrea Roselli unterläuft schon bald ein entscheidender Fehler, und er wird das Opfer einer gefährlichen Intrige … Emili Rosales verknüpft dieses unglaubliche historische Abenteuer, dessen Überreste bis heute existieren, mit der Geschichte einer verbotenen Liebe und mit der Gegenwart, denn ein skandalöses Gemälde Giovanni Battista Tiepolos taucht 250 Jahre später wieder auf und bringt den katalanischen Galeristen Emili Roselli in höchste Gefahr.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Nun ja, so viele Seiten habe ich noch nicht gelesen. Der Schreibstil gefällt mir aber gut und ich komme erstaunlich schnell voran. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt und zwar immer von Kapitel zu Kapitel abwechselnd, was ganz praktisch und verständlich ist. Ausserdem steht über jedem Kapitel auch gleich noch, wo und wann es spielt, was zusätzlich  für mehr Klarheit sorgt.
In der Vergangenheit wird das Leben und Werk des Malers Tiepolo, einem der wichtigsten und bekanntesten Deckenmaler des achtzehnten Jahrhunderts, und eine gefährliche und aufregende Reise vom Fortschrittlichen Italien ins Mittelalterliche Spanien thematisiert. Gerade erst habe ich den Maler kennengelernt und deshalb ist da noch ziemlich unklar, in welche Richtung es gehen wird.
In der Gegenwart verstrickt sich Emili Roselli, ein katalanischer Galerist, in eine komplizierte Liebesgeschichte und erzählt von seinen Kindheitserinnerungen. Darin kommt auch die sagenumwobene "Unsichtbare Stadt" vor, in deren Trümmer er als kleiner Junge gespielt hat und die er nun wieder erforscht. Es bleibt also auf jeden Fall spannend.

4. Wie viele Seiten lest ihr im Durchschnitt in einem Monat?
Das schwankt bei mir total. Ich weiss noch, dass ich früher mehr als dreissig- vierzigtausend Seiten im Jahr gelesen habe. Heute schaffe ich noch um die 1500 bis 2500 Seiten pro Monat. Das ist nicht gerade viel, lässt sich aber anders auch gar nicht mit Studium, Arbeit(en), anderen Hobbies und gesellschaftlichem Leben vereinbaren.

Wie sieht es bei euch aus? Wie organisiert ihr eure Lesezeit?
Schreibt es mir in die Kommentare, ich komme garantiert auf einen Gegenbesuch vorbei.

Alles Liebe euch
Livia

Mein SuB kommt zu Wort, 20.5.17

"Mein SuB kommt zu Wort"
Hallo und guten Morgen ihr Lieben

Ich muss schon bald los, bevor ein sehr intensives Probewochenende mit einem tollen Orchester ansteht. Da wir heute und morgen von 10.00 - 17.00 Uhr proben (nächste Woche sind die Konzerte), darf natürlich mein persönliches Üben nicht zu kurz kommen, weshalb ich dann nachher gleich an die Hochschule sollte. Ich will euch aber heute Abend ganz viel besuchen und Kommentare hinterlassen und bin endlich wieder einmal bei Annas toller SuB-Aktion dabei.

Mein SuB und ich haben in diesem Monat wieder zueinander gefunden. Nach der Aktion "Wir entrümpeln unseren SuB", die ich zusammen mit Leni und Tanja auf unseren Blogs durchführen durfte, hat mein SuB enorm abgenommen. Und nicht nur das. Alte SuB-Bücher, die ich so nie (mehr) lesen würde, wurden verschenkt, verlost und - ja, bei einigen war es leider unumgänglich - entsorgt. Nun ist nur noch auf meinem SuB, was ich wirklich lesen will und ganz wenige Wackelkandidaten stehen noch dort, die ich aber immer im Blick habe. Ausserdem ist mein SuB nun nach Genre geordnet, viel übersichtlicher, schöner und einladender.
Hier ganz rechts seht ihr übrigens alle meine SuB-Bücher. Sieht doch schon sehr ordentlich aus, ja?

Wir sind wohl beide froh, dass hier einiges geschehen ist und mein SuB, hat sich endlich geoutet und mir seinen, respektive ihren, Namen verraten. Tatsächlich ist mein SuB weiblich und dies erklärt soooo viel :-)
Zusammen haben wir uns einen tollen Namen ausgedacht, welchen sie euch gleich selber verraten wird.
Und ich trinke nun noch meinen Kaffee zu Ende und mache mich dann auf den Weg.
Alles Liebe euch
Livia


Guten Morgen auch von meiner Seite :-)

Wie schön, dass sich Livia so viel Zeit genommen hat für den Einleitungstext. Da hat man als SuB ja gleich doppelt Freude, wenn man so liebevoll ins Zentrum gerückt wird. Und jetzt, da ich abgespeckt habe (ja, Livia, nimm dir mal ein Vorbild, die Badesaison hat schon begonnen), fühle ich mich tatsächlich erleichtert. Ich habe euch ja schon einmal gestanden, dass es mich langsam überall zwickt und kneift in meinem Regal. Dies ist nun endlich vorbei.
Und um euch nicht länger auf die Folter zu spannen, möchte ich euch meinen wunderschönen, neuen, SuB-Namen präsentieren: ich habe mich auf den Namen SuBrina taufen lassen. Ist das nicht wundervoll? Und Livia hat mir nicht einmal widersprochen :-)
Nun aber möchte ich euch und Livia (die da neben mir sitzt und über ihrem Kaffee fast wegpennt) nicht länger warten lassen und mich ans Beantworten von Annas Fragen machen.

Wie groß/dick bist du aktuell (du darfst entscheiden, ob du nur Print oder eBook & Print zählst)?
Ich wiege/messe/umfasse momentan 184 Bücher. Dies sind ziemlich genau sechzig Bücher weniger als bei der letzten SuB-Aktion von Anna, an der wir teilgenommen haben. Livia und ich haben ganze Arbeit geleistet und da nun sogar die Bücher, welche Livia von jemandem ausgeliehen hat, ebenfalls in unserer SuB-Seite erfasst wurden, hat sie eigentlich sogar noch mehr als sechzig Bücher ausgemistet und weggelesen. Auf diesen Schritt sind wir schon mächtig stolz und möchten noch weiter reduzieren. Livia träumt von maximal 20 - 30 SuB-Büchern. Ich selber bin da skeptisch und möchte schon immer um die hundert Buchschätze unter meinen Fittichen haben. Aber wir werden sehen :-)

Wie ist die SuB-Pflege bisher gelaufen? Zeige mir deine drei neuesten Schätze auf deinem Stapel!
Uhhhh....jetzt kommt es dicke. Und zwar: hier seht ihr einmal, das Paradebeispiel dafür, wie man seinen SuB wirklich verkleinern kann. Gerade habe ich euch vom Punkt "Ausmisten" erzählt. Mehr lesen ist natürlich auch immer gut. Und was Livia mittlerweile richtig gut beherrscht, was mich aber ein wenig ärgert, da ich gerne auch ab und zu wiiiirklich neue, aktuelle Bücher bei mir einziehen lassen würde: den fast kompletten Verzicht auf neue Bücher. Für die neuesten drei Schätze muss ich euch deshalb Neuzugänge aus dem April und März zeigen, im Mai ist noch gar kein neues Buch hier eingezogen und wenn ich Livia richtig verstanden habe, soll der Mai auch tatsächlich ohne Neuzugänge bleiben *schnief*

http://www.kiwi-verlag.de/buch/der-laerm-der-zeit/978-3-462-04888-9/ 
Julian Barnes - Der Lärm der Zeit

Dieses Buch ist im März bei Livia eingezogen. Es handelt sich dabei um ein von ihr lange ersehntes und ganz lieb angefragtes Rezensionsexemplar aus dem Verlag KiWi. Livia hat es bereits gelesen und war total begeistert.

Ihre Rezension findet ihr HIER



bleiben - Judith W. Taschler

Auch hier handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, das Livia einfach haben MUSSTE, weil die Rezension von Martina, der Livia total vertraut, so beeindruckend war.
Dieses Buch wird heute Abend begonnen (oder vielleicht später schon unterwegs, wenn Livia nicht zu müde ist) und natürlich drücke ich die Daumen, dass es ihr sehr gut gefallen wird.



Der verborgene Garten - Kate Morton

Dieses Buch hat Livia beim Gewinnspiel zu Sabrinas Blogggeburtstag abstauben können. Wusstet ihr, dass sie nur noch an Gewinnspielen teilnimmt, wenn es sich bei den Gewinnen um Bücher handelt, die so oder so auf Livias Wunschliste stehen? Ein wenig übertrieben, wenn ihr mich fragt, aber Livia hat da ja so ihre Regeln....


Welches Buch hat dich als letztes verlassen, weil gelesen? War es eine SuB-Leiche, ein Reihen-Teil, ein neues Buch oder ein Reziexemplar und wie hat es deinem Besitzer gefallen (gerne mit Rezensionslink)?
Gerade heute Nacht hat mich "Durch Mauern gehen" von Marina Abramović verlassen. Dieses Buch war ein von Livia heiss ersehntes und nun endlich gelesenes Rezensionsexemplar und Livia war (und ist immer noch, wie sie müde murmelt) total begeistert, wie ihr ihrer Rezension entnehmen könnt.

Lieber SuB, bei welchen Büchern von dir denkst du, dass sie deinen Besitzer zum Weinen bringen werden und warum? (Herzschmerz oder das Thema Sterben oder ein Reihenabschluss oder oder?) 
Da kommt mir jetzt spontan einmal "Mein bester letzter Sommer" von Anne Freytag in den Sinn.
*stöberstöberstöber*
Nach ein wenig Stöbern würde ich ausserdem "Der Sommer, in dem es zu schneien begann" von Lucy Clarke als "Heulbuch" nominieren. Zu erwähnen gilt es aber noch, dass Livia sozusagen immer irgendwie ein wenig weint und man gar nicht immer so genau weiss, warum *autsch*, warum hast du mich geschubst? 

Seid ihr auch so Heulsusen?
Kennt ihr schon eines unserer Bücher?

Ganz liebe Grüsse an alle und wir kommen später stöbern
SuBrina

Rezension: Durch Mauern gehen

Durch Mauern gehen - Marina Abramović

Beschreibung des Verlages:
Die Autobiografie – zum 70. Geburtstag am 30. November 2016
Sie hat die Grenzen der Kunst gesprengt: sich gepeitscht, mit einer Glasscherbe ein Pentagramm in den Bauch geritzt, ein Messer in die Finger gerammt. Sie ist 2500 Kilometer auf der Chinesischen Mauer gegangen, zwölf Jahre in einem umgebauten Citroën-Bus durch die Welt gefahren und hat ein Jahr bei den Aborigines in Australien gelebt. Spätestens seit »The Artist is Present« – ihrer berühmten Performance 2010 im New Yorker Museum of Modern Art - gilt Marina Abramović in der ganzen Welt als Kultfigur. Robert Redford schwärmt für sie genauso wie Lady Gaga. Vom »Time Magazine« wurde sie zu den 100 wichtigsten Menschen des Jahres 2014 gewählt.
In ihren Memoiren blickt Abramović zurück auf sieben Lebensjahrzehnte als charismatische Künstlerin und Grenzgängerin. Von ihrer strengen Kindheit im kommunistischen Jugoslawien, wo sie bei ihren der politischen Elite nahestehenden Eltern im Schatten Titos aufwuchs – bis hin zu ihren jüngsten Aktionen, bei denen sie die Seele von Millionen von Menschen mit der Kraft ihres Schweigens berührte.

Meine Meinung:
Marina Abramović verehre ich seit vielen Jahren. Sie ist mein absolutes künstlerisches Vorbild. Ich verstehe durchaus, dass man sie und ihre Performances kritisieren kann, bin aber total begeistert von ihren Überzeugungen, klaren Zielen, ihrer Kompromisslosigkeit und ihrem Mut.
In "Durch Mauern gehen" erzählt die 70-jährige Performancekünstlerin von ihrer Kindheit im kommunistischen Jugoslawien. Sie beschreibt ihre Eltern, stolze, streng erziehende Partisanen und deren schwierige Beziehung und nimmt die Leser dann mit in viele Länder und Kulturen der Welt, auf der Flucht vor ihrem strengen Elternhaus und einem Land, das ihre Kunst weder versteht, noch unterstützt.
Als Leser ist es möglich, an vielen wichtigen, intimen und berührenden Momenten in Abramovićs Leben teilzunehmen. Detaillierte Beschreibungen ihrer Performances mit einer genauen Dokumentation des Entstehungsprozesses inklusive zahlreicher Fotografien, Geständnisse und Erzählungen aus ihren persönlichsten Erfahrungen, wie den Männern, welche sie geliebt und verloren hat, ihre Gefühle dem Jugoslawienkrieg gegenüber, aber auch Selbstzweifel, Sehnsüchte und Leeren und nicht zuletzt auch ihr Humor und die spannenden und amüsanten Sichtweisen, welche sie ab und an auf unterschiedlichste Dinge hat, machen diese Buch so lesenswert. Besonders berührt hat mich, wie Abramović das Verhältnis zu ihrer Mutter geschildert und erlebt hat und welche Erfahrungen sie bei ihrer aktuellsten Performance "The Artist is present" machen durfte.
Ausserdem hat Abramović nie wirklich getrennt zwischen ihrem Innersten und ihrer Arbeit. Dies macht sie natürlich zugleich verwundbar aber auch stark. Aber allen ihren Ängsten stellt sie sich immer wieder und einfach aus allem und jedem, was ihr im Leben begegnet, macht sie eine Performance. Ohne Rücksicht auf Verluste und Befindlichkeiten.

Schreibstil:
Bei der Aktion Gemeinsam Lesen am Dienstag schrieb ich: "Sie (Abramović) schreibt offen und ehrlich und voller Ehrfurcht von allem, was sie im Leben erfahren und lernen durfte und von allen Menschen, die sie auch nur ein kleines Stück auf ihrem Lebensweg begleitet haben, und trifft damit mitten ins Herz. Deshalb liest sich ihre Autobiografie, welche mit sehr vielen aussagestarken Bildern versehen ist, wie ein Abenteuerbericht, wie ein Liebesroman und auch wie ein spannender Thriller. Und dies alles total authentisch, beeindruckend und überzeugend."
Neben der Tatsache, dass dieses Buch sich aufgrund der Schriftgrösse und dem Satz gut liest und in seiner hochwertigen Verarbeitung überzeugt, ist die Sprache einfach nur fesselnd. Von einer Intimität, die berührt, und manche Situationen förmlich spüren und miterleben lässt, aber auch sehr poetisch und immer wieder humorvoll. So bekommen beispielsweise Riten aus verschiedensten Kulturen ihren Platz in Abramovićs Erzählungen und aus jedem Wort, aus jeder Geschichte, ist der Respekt gegenüber diesen Kulturen und dieser den Zeremonien innewohnenden Spiritualität spürbar. Dadurch, dass man als Leser eine Verletzlichkeit und Offenheit erfährt und zugleich eine Stärke und grossen Mut, wird man sofort von dieser spannenden und abenteuerlichen Lebensgeschichte eingenommen, die hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist.

Meine Empfehlung:
Es sollte nun unschwer zu erkennen sein, dass ich euch dieses Buch sehr, sehr gerne ans Herz legen möchte. Marina Abramović ist so eine spannende und sympathische Persönlichkeit, dass es sich definitiv lohnt, sich ein wenig mit ihrem Leben und Werk zu beschäftigen und ausserdem schreibt sie so mitreissend und berührend, dass sich dieses Buch auch für die lohnt, welche sonst mit Performancekunst nichts am Hut haben.

Zusätzliche Infos:
Titel: Durch Mauern gehen
Originalsprache: Walk Through Walls: Becoming Marina Abramović
Autorin: Marina Abramović
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Amerikanisch
Übersetzt von: Charlotte Breuer & Norbert Möllemann
Gebundenes, mit Schutzumschlag: 480 Seiten
Mit 141 Schwarz-weiß-Fotos und 16 Seiten Farbbildteil
Erschienen: 14.11.2016 
ISBN: 978-3-630-87500-2

Gemeinsam Lesen, 16.5.17

Gemeinsam Lesen ist eine von Asaviel ins Leben gerufene Aktion,
die nun von den Schlunzen fortgeführt wird.
Endlich, endlich, endlich schaffe ich es, wieder einmal an der Aktion "Gemeinsam Lesen" teilzunehmen. Heute bin ich mit einer kleinen Herzensempfehlung dabei. Viel Spass beim Lesen und Stöbern :-)

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Meine Nase steckt gerade ununterbrochen in der Autobiografie "Durch Mauern gehen" von Marina Abramović und ich bin aktuell auf Seite 177.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Was hatten wir von der Wüste und ihren Bewohnern gelernt?

Durch Mauern gehen - Marina Abramović
Beschreibung des Verlages:
Die Autobiografie – zum 70. Geburtstag am 30. November 2016
Sie hat die Grenzen der Kunst gesprengt: sich gepeitscht, mit einer Glasscherbe ein Pentagramm in den Bauch geritzt, ein Messer in die Finger gerammt. Sie ist 2500 Kilometer auf der Chinesischen Mauer gegangen, zwölf Jahre in einem umgebauten Citroën-Bus durch die Welt gefahren und hat ein Jahr bei den Aborigines in Australien gelebt. Spätestens seit »The Artist is Present« – ihrer berühmten Performance 2010 im New Yorker Museum of Modern Art - gilt Marina Abramović in der ganzen Welt als Kultfigur. Robert Redford schwärmt für sie genauso wie Lady Gaga. Vom »Time Magazine« wurde sie zu den 100 wichtigsten Menschen des Jahres 2014 gewählt.
In ihren Memoiren blickt Abramović zurück auf sieben Lebensjahrzehnte als charismatische Künstlerin und Grenzgängerin. Von ihrer strengen Kindheit im kommunistischen Jugoslawien, wo sie bei ihren der politischen Elite nahestehenden Eltern im Schatten Titos aufwuchs – bis hin zu ihren jüngsten Aktionen, bei denen sie die Seele von Millionen von Menschen mit der Kraft ihres Schweigens berührte. 

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Marina Abramović verehre ich seit vielen Jahren. Sie ist mein absolutes künstlerisches Vorbild. Ich verstehe durchaus, dass man sie und ihre Performances kritisieren kann, bin aber total begeistert von ihren Überzeugungen, klaren Zielen, ihrer Kompromisslosigkeit und ihrem Mut. Sie hat sich von ihren strengen Eltern im kommunistischen Jugoslavien lösen können und dann die ganze Welt bereist. Sie wurde verletzt und hat verletzt, hat ihre grosse Liebe gefunden und verloren und hat aus allem und jedem, was ihr im Leben begegnet ist, eine Performance gemacht. Ohne Rücksicht auf Verluste und Befindlichkeiten.
Sie schreibt offen und ehrlich und voller Ehrfurcht vor allem, was sie im Leben erfahren und lernen durfte und vor allen Menschen, die sie auch nur ein kleines Stück auf ihrem Lebensweg begleitet haben, und trifft damit mitten ins Herz. Deshalb liest sich ihre Autobiografie, welche mit sehr vielen aussagestarken Bildern versehen ist, wie ein Abenteuerbericht, wie ein Liebesroman und auch wie ein spannender Thriller. Und dies alles total authentisch, beeindruckend und überzeugend.

4. Wie wäre dein Leben, wenn du dein aktueller Protagonist wärst?
Nun ja, ich wäre weltberühmt, hätte ein mehrfach gebrochenes Herz und würde täglich mein Innerstes nach Aussen kehren und damit Menschen beeindrucken und berühren, motivieren und zum Nachdenken bringen. Grundsätzlich klingt das spannend und sehr aufwühlend. Aber trotzdem bin ich lieber in der Lage, mich von Abramović inspirieren zu lassen, als ihr Leben zu leben.

Was lest ihr gerade und wie gefällt es euch? Schreibt es mir in die Kommentare, ich komme garantiert auf einen Gegenbesuch vorbei :-)

Ganz liebe Grüsse euch
Livia

Rezension: Das Kochbuch des Kannibalen

Das Kochbuch des Kannibalen - Carlos Balmaceda

Der Klappentext:
Der Gipfel des Genusses befindet sich im argentinischen Mar del Plata: Ein geheimnisvolles Kochbuch macht ein kleines Restaurant zum begehrten Gourmet-Tempel und läßt das Herz eines genialen Küchenchefs höher schlagen – bis der Reiz der Ver-führung verbotene Gelüste weckt ... Carlos Balmaceda schwelgt in diesem Thriller in opulenten Bildern und kulinarischen Leckereien.

Meine Meinung:
Sehr beeindruckt war ich von der Grundidee dieses Buches. Ausserdem hat der erste Satz mich sofort "auf den Geschmack gebracht", respektive mich vorbereitet auf alles, was ich im Buch noch so finden würde.

"Als César Lambroso zum ersten Mal Menschenfleisch kostete - wobei es sich um das Fleisch seiner eigenen Mutter handelte -, war er sieben Monate alt." 

Guter Einstieg, ja?
Aber dann geht es leider nicht wirklich brisant weiter. Ca. hundert Seiten lang wird die - zugegeben tragische und gruselige, aber trotzdem nicht wirklich spannende - Geschichte der Vorfahren und Vorvorfahren von César Lambroso erzählt. Dies wird irgendwann einfachein wenig zuviel des Guten, zumal sich hinten im Buch ein Stammbaum findet und ich mir definitiv mehr einen Thriller (wie ja auch untertitelt) als eine Familiengeschichte erwartet habe. Ausserdem wird auf diesen ersten Seiten der ganze Polizeiprozess um das Auffinden der Leiche seiner Mutter rekonstruiert.
Dann erst wird es spannend und ab ca. Seite 120 war ich gefesselt und habe das Buch in einem Atemzug beendet.

Schreibstil und Handlung:
Leider konnte mich der Schreibstil, zumindest am Anfang, gar nicht überzeugen. Wahrscheinlich hätte man da die gleiche Familiengeschichte wesentlich spannender und dramatischer erzählen und darstellen können.
Die vielen Rezepte haben mir - obwohl ich kein Fleisch esse und obwohl tatsächlich oft mit Menschenfleisch gekocht wurde - sehr gut gefallen und tatsächlich auch ein wenig Appetit gemacht. Diese Rezepte waren aber auch wirklich das Beste an allem und sowohl die Schwächen von Handlung und Sprache, in erster Linie sind da die Längen und die ausführlichst erzählte Familiengeschichte zu nennen, die meiner Meinung nach so nichts in einem Thriller verloren hat, haben sich zu einer sehr unbefriedigen ersten Buchhälfte vereint. Im zweiten Teil habe ich mich wieder total packen lassen. Dies lag vor allem an der guten Handlungsidee mit dem Kannibalismus, die da wieder in den Vordergrund gerückt ist. Die war nämlich brutal und auch ein wenig grausam und hat wirklich gut gepasst.

Mein Fazit:
Dieses Buch hat mich auf den letzten 80 - 100 Seiten sehr gut unterhalten, insgesamt war es mir aber ein wenig zu langatmig und auch nicht wirklich dem deklarierten Genre "Thriller" entsprechend. Deshalb bekommt ihr heute keine Leseempfehlung von mir.

Zusätzliche Infos:
Titel: Das Kochbuch des Kannibalen
Autor: Carlos Balmaceda
Taschenbuch: 203 Seiten
Sprache: Deutsch
Originalsprache: Spanisch
Übersetzt von: Petra Zickmann
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-25323-9